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Joan Cabanilles - Ausgewählte Orgelwerke (2 Bände)

Herausgeber: Miguel Bernal Ripoll / Gerhard Doderer
Verlagsnummern: BA11228 / BA11229
Verlag: Bärenreiter

Der Valencianische Organist Joan Cabanilles (1644-1712) steht am Ende der Reihe der großen iberischen Barockkomponisten (Cabezón, Santa Maria, de Heredia, de Arauxo, Bruna etc.), sein Schaffen mit weit über 1120 Titeln (u.a. 169 Tientos, 13 Diferencias, 940 Versetten) ist schier unübersehbar. Eine Gesamtausgabe, 1927 von Higinio Anglés begonnen, wurde bis heute nicht zu Ende geführt, z.T. ist der Notentext dieser Ausgabe in einem amerikanischen Nachdruck oder auch im Internet zugänglich. 22 seiner ansprechendsten und typischten Tientos haben nun die beiden Herausgeber ausgewählt, in einem dritten Band sollen noch einige Versos, Passacalles, Gallardas und Toccaten folgen, um wenigstens einiges, wenn auch immer noch nur weniges, auch hierzulande auf einfachem Weg zugänglich zu machen.

Juan Bautista José Cabanilles wurde bereits 1665 Organist der Catedral de Santa María de Valencia, die ein dichtes gottesdienstliches Leben führte, 1703 bat er altershalber um eine Unterstützung. Nicht uninteressant zu wissen ist, dass er auch zeitweise zuständig war für die Betreuung der Chorknaben. Neben den Orgelwerken komponierte er einige lateinische mehrchörige Werke, auch ein Villancico (spanischsprachige Liedmotette) für fünf Chöre, 13-stimmig, ist überliefert. Sein Grab findet sich in der Kathedrale.

Die Tientos (etwa den Ricercari vergleichbar) gliedern sich in Llenos (links wie rechts identische Registrierung, gemeint ist nicht ein Plenum), partidos (getrennte Registrierung), Falsas (wie die italienischen Durezzen), Contras (mit Pedal-Haltetönen) und Batallas. Cabanilles zweimanualige Orgel in der Kathedrale bekam aber erstmals am Ende des 17. Jahrhunderts eine Trompetenstimme, also sind seine Batallas nicht zweifelsfrei mit Clarinstimmen zu registrieren. Erst seit ca. 1670 überhaupt finden sich die ersten Cornet de Echo und Horizontaltrompeten in Spanien.

Die Ausgabe umfasst ein umfangreiches Vorwort zur Geschichte von Valencia, zur Biographie von Cabanilles, zum Werk, zur Quellenlage und bisherigen Forschungen und Editionen, zu den Gattungen und zu den Orgeln der Kathedrale. Verzeichnisse bisheriger Ausgaben und Antologien, eine Bibliographie, Faksimiles und Kritische Berichte ergänzen die Bände. Wie immer bei Bärenreiter ist der Notentext von großer Klarheit und leicht zu lesen.

Natürlich ist die alte iberische Orgelmusik nicht auf neobarocken oder romantischen Orgeln deutscher Herkunft zu spielen, doch stehen ja inzwischen einige spanische Instrumente nicht nur in Hochschulnähen bereit. Zumindest ist eine ungleiche Temperierung, für die Partidos sind zweimanualige Instrumente erforderlich. Auch sollten sich Interpreten mit der Spielweise der Musik befassen, wozu das Vorwort leider schweigt. Eine Hilfe kann man sich dazu z.B. bei Frescobaldi holen. Wenn man vergleichsweise Cabanilles‘ norddeutschen Zeitgenossen Dieterich Buxtehude heranzieht, die mitteldeutschen Bache Johann Christoph und Johann Michael oder den süddeutschen Georg Muffat, John Blow in London oder Bernardo Pasquini in Rom, so ist der Abstand zu diesen so ganz anderen Orgelkulturen zu erahnen. Darum ist diese Ausgabe bereichernd und sehr zu begrüßen!

Rainer Goede - für www.orgel-information.de
Januar 2018 / Juni 2018


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